
Frankreich? Kennen wir doch.
Zwischen Grenze, Autobahn und Urlaub lagen mehr Überraschungen, als wir erwartet hatten.
Frankreich hat uns nicht mit einzelnen Sehenswürdigkeiten begeistert. Es waren die vielen kleinen Dinge unterwegs, die dafür gesorgt haben, dass wir immer wieder zurückkommen.
Frankreich? Kenne ich. Hab ja an der Grenze gewohnt. Mehrfach. Bin ich schon oft durchgefahren, wenn wir nach Österreich unterwegs waren. Aber was kannten wir eigentlich? Creutzwald mit seiner Industrie. Die Autobahn Richtung Paris. Viel mehr war es nicht.
Als wir das erste Mal bewusst durch Frankreich gereist sind, wurde schnell klar, dass wir das Land eigentlich gar nicht kannten.
Ein Land mit Sommerfilter
Kaum hatten wir die Grenze überquert, hatte ich das Gefühl, als hätte jemand einen Filter vor die Landschaft gelegt. Einen Sommerfilter.
Das Licht wirkte wärmer. Die Farben intensiver. Vor uns lagen Felder, die nicht enden wollten. Die Landschaft war leicht hügelig und ich hätte stundenlang aus dem Fenster schauen können, ohne dass mir langweilig geworden wäre.
Besonders beeindruckt haben mich die Wälder. Nicht die kleinen Waldstücke, die man bei uns häufig zwischen zwei Orten findet. In Frankreich fährt man teilweise kilometerweit durch zusammenhängende Wälder. Minutenlang nur Grün. Immer wieder haben wir uns gefragt, warum uns diese Weite so fasziniert. Wahrscheinlich, weil wir sie in dieser Form einfach nicht gewohnt sind.
Doch nicht nur die Landschaft hat uns überrascht.
Die kleinen Dinge bleiben in Erinnerung
Irgendwann kamen die ersten Dörfer. Dann die nächsten. Und irgendwann stellten wir fest, dass uns fast jedes einzelne begeistert.
Überall Blumenbeete. Blumenkästen voller leuchtender Farben. Gepflegte Grünanlagen. Mein Sohn meinte irgendwann: „Jedes kleine Kaff hier hat eine brutal schöne Kirche.“
Natürlich gibt es auch in Frankreich Orte mit leerstehenden Häusern oder Gebäuden, die ihre besten Zeiten hinter sich haben. Aber genau das macht die Dörfer oft sympathisch. Sie wirken nicht geschniegelt oder künstlich. Sie wirken echt.
Eine weitere Überraschung waren die Châteaus. Durch die Tour de France hatte ich immer das Gefühl, Frankreich bestünde aus Schlössern, Burgen und Herrenhäusern. In der Realität begegnet man ihnen längst nicht überall. Je nach Region kann es dauern, bis man eines entdeckt. Vielleicht freut man sich gerade deshalb umso mehr, wenn plötzlich doch eines hinter einer Baumreihe auftaucht.
Je öfter wir unterwegs waren, desto mehr fiel uns auf, dass Frankreich das Reisen erstaunlich einfach macht.
Frankreich aus Campersicht
Natürlich gibt es unzählige Campingplätze. Gleichzeitig bieten viele Orte Stellplätze für Wohnmobile an. Oft kostenlos oder für wenig Geld. Nicht selten mit Frischwasser, Entsorgung und allem, was man unterwegs braucht.
Dieses System gefällt mir. Die Alternative wäre, dass Wohnmobile irgendwo ungeordnet stehen und ihre Spuren hinterlassen. So profitieren die Reisenden genauso wie die Gemeinden.
Überrascht haben uns auch die Menschen.
Vor unserer ersten Reise hörten wir immer wieder, Franzosen seien reserviert oder Deutschen gegenüber nicht besonders offen. Unsere Erfahrungen waren völlig andere.
Bei Angoulême trafen wir einen Mitarbeiter der Gemeinde. Als er hörte, dass wir aus Deutschland kommen, begann er plötzlich Deutsch zu sprechen. Er entschuldigte sich sogar für seinen Akzent, den ich einfach nur charmant fand. Er erzählte von Orten, die er in Deutschland besucht hatte, fragte nach unserer Reise und nahm sich Zeit für ein Gespräch. Als wir später weiterfahren wollten, kam er noch einmal vorbei, um sich zu verabschieden.
Genau solche Begegnungen bleiben im Gedächtnis.
Und dann sind da noch die Supermärkte. Wer regelmäßig in Frankreich unterwegs ist, wird vermutlich verstehen, was ich meine. Die Läden sind riesig. Die Auswahl scheint endlos. Selbst Aldi und Lidl unterscheiden sich von den Filialen zu Hause. Es gibt Produkte, die man bei uns nicht bekommt. Die Nudeln sind oft günstiger. Und irgendwo landet fast immer wieder eine neue Stofftasche im Einkaufswagen. Inzwischen haben wir davon eine kleine Sammlung.
Doch nicht nur auf dem Land haben wir uns wohlgefühlt.
Städte voller Geschichte
Wenn ich an Metz, Straßburg oder Paris denke, denke ich an Geschichte. Nicht nur an einzelnen Sehenswürdigkeiten, sondern an ganze Stadtviertel.
Gleichzeitig haben wir immer wieder festgestellt, wie viele Parks und Grünflächen es gibt. Orte, an denen man sich ausruhen kann. Spielplätze für Kinder. Stühle und Sitzgelegenheiten, die einfach dort stehen und genutzt werden dürfen. Kleine Rückzugsorte mitten in der Stadt.
Gerade diese Mischung aus Geschichte, Alltag und Grünflächen macht die Städte für uns so angenehm.
Warum wir immer wieder zurückkommen
Während wir Richtung Bordeaux gefahren sind, haben mein Mann und ich irgendwann beschlossen, dass wir im Ruhestand nach Südfrankreich ziehen werden.
Für mich ist es die Wärme. Für ihn das Meer.
Wahrscheinlich sind es aber nicht nur diese beiden Gründe. Es ist die Landschaft. Die Weite. Die kleinen Dörfer. Die Städte. Die Menschen. Die Art zu reisen.
Und mit jeder Reise wird die Liste ein bisschen länger. Deshalb zieht es uns immer wieder nach Frankreich zurück. Und jedes Mal entdecken wir etwas Neues, das uns begeistert.
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